Die Sache mit den Leckerchen

Die Sache mit den Leckerchen

Es kommt immer mal wieder vor dass Kunden entweder schon am Telefon oder dann beim ersten Training sagen: „Also, das mit den Leckerchen will ich nicht, mein Hund soll auch ohne Bestechung hören.“ oder Trainer die stolz anbieten: „Training ohne Bestechungsleckerlie!“ Beliebt sind auch die Sprüche auf der Hundewiese: „Haben Sie es noch nötig ihren Hund zu bestechen? Das ist aber schlecht.“
 
Warum ist das so? Warum wird Belohnen immer mit Bestechung gleich gesetzt, und warum fällt es vielen Menschen schwer zu akzeptieren das ihr Hund keine funktionierenden Maschinen sind, die brav Befehle ausführt, nur weil wir Menschen das gerade so wollen?
 
Ich arbeite mit Leckerchen. Und stimmlichen Lob. Und spielen als Belohnung. Das bedeutet ich arbeite über positive Motivation. Und das geht wirklich, wirklich gut. Warum also sollte ich es mir und meinem Hund (oder den Hunden von Kunden) schwerer machen? 
Die meisten Hunde sind sehr gut übers Futter motivierbar, und die die es nicht sind, da müssen wir uns dann eben was ausdenken. Kunden von mir haben herausgefunden das ihr Hund Tannenzapfen liebt. Also bekommt er die statt Wurst. Und freut sich wie ein Schnitzel …
 
Schauen wir uns doch als Erstes mal an was wir von unseren Hunden verlangen:
 
  • Sitz, Platz, Fuß, Komm her – also Grundkommandos
  • Prügel dich nicht mit deinem Erzfeind
  • Hör auf das Haus zu verteidigen wenn ich es dir sage
  • Gib mir dein Futter wenn ich es dir sage
  • Hör auf das Reh zu jagen und komm sofort zurück
  • Spring keine Menschen an
  • Hör auf an der Leine zu ziehen
  • etc.
 
Das sind alles Dinge, die Hunde voneinander nicht verlangen würden. Außer das mit dem Futter vielleicht, und hier hätte dann auch jeder Hund das Recht sein Futter zu verteidigen.
 
Warum wird es nun als „natürliches“ Training propagiert, wenn jemand ohne Leckerchen arbeitet? Wir verlangen da keinerlei „natürliche“ Dinge von unseren Hunden. Wir verlangen, dass sie sich in unser Leben integrieren und zwar zu menschlichen Bedingungen. Für Hunde machen diese Verhaltensweisen und Kommandos erst einmal gar keinen Sinn. Oder hat schon mal jemand einen Hund gesehen, der einem anderen sagt er soll „Bei Fuß“ gehen?
 
Ein Hund wird ein Kommando nicht aus dem Grund ausführen, weil er Dich liebt. Du würdest doch auch nicht von Deinem Partner oder Deiner Partnerin verlangen drei mal um den Küchentisch zu laufen, nur weil Du das grad gut findest. Und Dein Partner / Deine Partnerin würde dir einen Vogel zeigen wenn Du das verlangst und dann sagst: Tu es weil Du mich liebst.
 
Hunde (und Menschen) lernen über Motivation. Entweder sie tun etwas, weil es dafür etwas tolles gibt (Wurst, Spielzeug, Lob) oder weil sie selbst wahnsinnig viel Spaß daran haben, also aus einer inneren Motivation heraus  Natürlich kann Motivation auch sein, Schmerz zu vermeiden oder etwas zu tun, damit der Schmerz aufhört.
 
Über Zwang und Schmerz zu trainieren funktioniert zwar, hat aber einen entscheidenen Nebeneffekt: Unter Druck und Schmerz lernt man deutlich schlechter, der Stresslevel steigt und die Dinge werden nicht so zuverlässig gelernt. Stell Dir vor jemand will dir etwas beibringen und brüllt dich dabei an, packt dich vielleicht auch grob am Arm und zerrt dich herum. Keine angenehme Vorstellung, oder? 
Im Gegenzug dazu hast Du vielleicht einen Lehrer, der dir geduldig erklärt wie etwas funktioniert und dich lobt und bestärkt wenn Du auf dem richtigen Weg bist. Ist schon ein viel besseres Gefühl, und vor allem ist deine Grundmotivation gleich viel höher.
 
Viel besser ist es daher über positive Motivation zu lehren (und fairer allemal), Zeit zu lassen damit die Dinge auch verstanden werden können und daran zu denken: ich verlange hier gerade etwas von meinem Hund, was für ihn nicht normal ist und von dem er sich auch nicht gewünscht hat, das zu lernen. Wir suchen uns in der Regel die Dinge aus, die wir lernen möchten und gehen dann schon mit einer entsprechenden inneren Motivation ans lernen. Ich WILL Italienisch lernen, Klavier spielen können, Tanzen erlernen oder was auch immer. Und wenn wir dann merken dass das Spaß macht bleiben wir dran und werden richtig gut!
Unsere Hunde haben uns nicht darum gebeten das sie „Bei Fuß“ gehen lernen. Oder auf unser Kommando hin die Pferdeäpfel oder die tote Maus liegen zu lassen..
 
Ich bin der Meinung das es nötig ist unseren Hunden Grundkommandos beizubringen und ihnen zu zeigen, wie das Leben mit uns Menschen funktioniert und welche Regeln es hier gibt. Dadurch können sie sich freier in dieser Menschenwelt bewegen.
 
Aber die Art und Weise, wie viele Menschen an diese Erziehung herangehen, ist oft negativ und von Druck geprägt:  
 
  • Belohnen ist gleich Bestechung.
  • Der Hund muss jetzt endlich funktionieren.
  • Warum kapiert der das denn nicht?
 
Es wäre schön, wenn solche Sätze aus unseren Köpfen verschwinden würden und wir statt dessen eher denken:
 
  • Belohnung ist gleich Belohnung. (Ich arbeite ja auch für Geld)
  • Den Blick darauf richten was mein Hund schon kann.
  • Wenn er etwas nicht versteht bei mir selbst schauen: erkläre ich das meinem Hund falsch?
 
Und um jetzt noch mal den Bogen zu den Leckerchen zu schlagen: Sie sind eine wunderbare Form einem Hund freundlich etwas beizubringen. Je besser das Leckerchen, umso schneller ist oft der Erfolg. Natürlich sollte ein Hund auch kommen wenn man mal keine Leckerchen dabei hat. Aber wenn man das Training sauber aufgebaut hat ist das auch gar kein Problem.
 
Wenn ihr euch für positives Training MIT Leckerchen interessiert findet ihr meine Hundeschule hier: Hund-er-leben
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