Kofferraumwelpen

Kofferraumwelpen

Es war ein tolles Angebot – ein reinrassiger Golden Retriever für nur 400 €. Das ist doch viel realistischer als 1300 € für einen Hund. Selbstverständlich komplett durchgeimpft, es gibt auch Papiere, also was soll da noch schief gehen.

Allerdings muss der Welpe schnell umziehen in sein neues Zuhause, die Mutter der Züchterin sei sehr krank, und alle Energie geht jetzt in die Pflege der alten Dame, daher kann der kleine Welpe auch nicht direkt bei der Züchterin abgeholt werden. Es ist besser man trifft sich auf halber Strecke, auf einem Rastplatz. Normalerweise würde die Züchterin das so ja nie machen, aber die Umstände sind halt besonders.

Die Übergabe findet wie besprochen statt, es gibt Papiere und einen Impfpass. Die kleine Maus scheint sehr müde zu sein, aber sie hat ja auch schon eine längere Fahrt hinter sich.

Also schnell ab nach Hause, das hat ja alles super und schnell geklappt, und schon darf das neue Familienmitglied einziehen. Die ersten Tage verlaufen gut, man gewöhnt sich aneinander, allerdings fällt schon auf, dass die Kleine (sie hat den Namen Molly bekommen, denn sie hat schon einen Molligen Moppelbauch) für einen Welpen schon recht ruhig ist. Aber vielleicht hat man einfach Glück gehabt, und nicht so einen Wirbelwind bekommen.

Am dritten Tag der Schock: Molly geht es sehr schlecht. Also schnell zum Tierarzt, der feststellt das Molly Parvovirose hat. Und wohl auch noch nie entwurmt wurde. Das, was die Familie als „moppelig“ und wohlgenährt angesehen haben, ist in Wahrheit ein Wurmbauch.

Molly schafft es nicht. Die Parvovirose alleine wäre schon gefährlich genug, zusätzlich ist der kleine Körper vom Wurmbefall geschwächt,  Molly hatte keine Chance.

Die „Züchterin“ ist im übrigen nicht mehr auffindbar …

Das ist nur eine von vielen Geschichten. Molly wurde von Vermehrern produziert, die sich weder um die Gesundheit noch um das Wohlbefinden ihrer Hunde sorgen.

Es geht einzig und allein darum, möglichst viele Hunde in möglichst kurzer Zeit zu produzieren und zu verkaufen. Die Elterntiere leiden, werden als Gebärmaschinen missbraucht, sehen oft ihr Leben lang kein Tageslicht, und wenn sie nicht mehr „produzieren“ können werden sie entsorgt. Nachschub ist ja genügend vorhanden.

Bitte denkt an folgende Dinge, bevor ihr Geld sparen wollt, wenn es um Lebewesen geht:

  • Wenn ihr einen reinrassigen Welpen wollt kostet der viel Geld. Der Grund hierfür ist: Die Welpen werden sozialisiert, gesundheitlich untersucht, geimpft und entwurmt. Ein guter Züchter wird den Welpen bestmöglich auf seine Zukunft vorbereiten, ihr werdet dort die Elterntiere kennen lernen dürfen, und die Welpen wachsen in der Familie und nicht in einem kargen Zwinger auf! Das alles ist Arbeit und kostet Geld. Daher ist ein Welpe vom Züchter einfach teuer.
  • Ihr spart euch nur beim Kauf Geld. Auf lange Sicht kommen Unsummen an Tierarztkosten auf euch zu, sowie viel Geld das ihr in Hundeschulen tragen werdet, damit  zumindest einige der problematischen Verhaltensweisen eures Hundes in den Griff zu kriegen sind. Und das alles nur, wenn euer „Billig-Welpe“ überhaupt überlebt.
  • Die Wahrscheinlichkeit, das ihr einen Sozial- und Umweltsicheren Hund bekommt, sind gleich null. Der Hund als entspannter Begleiter in eurem Leben, egal wo ihr seid oder was ihr macht – das wird nicht funktionieren.
    Einfach mal mit in die Stadt oder in ein Café nehmen? Freunde mit eurem Hund besuchen fahren, entspannte Spaziergänge machen, einen tollen Urlaub mit Hund verbringen, eure Fellnase vielleicht mit zum arbeiten nehmen? Das alles geht nur, wenn Hunde gut sozialisiert wurden und auf ihr Leben in der Menschenwelt vorbereitet wurden, und genau das machen Vermehrer nicht. Dort wachsen Welpen in reizarmer Umgebung, meist auf Betonboden auf, und sehen das erste Mal neue Dinge wenn sie euch übergeben werden.
  • Folgende Probleme können auftreten:
    verschiedenste Krankheiten, die hervorgerufen werden können durch Inzucht, keine Impfungen, Mangelernährung, verpaarung von kranken Elterntieren. Und das sind in der Regel keine gesundheitlichen Probleme, die durch einen kurzen Tierarztbesuch und einer Spritze erledigt sind, sondern die eure Hunde ihr Leben lang begleiten werden.
    Deprivationsschäden, das bedeutet euer Welpe hat in der wichtigsten Zeit seines Lebens nichts kennengelernt. Das bedeutet er kennt kein Gras, keine fremden Menschen oder Hunde anderer Rassen. Keine Strassen, kein Haus, keine Autos, einfach keine Umwelt. Und das macht ihm jetzt ALLES Angst. Er hat nämlich ebenso wenig gelernt mit neuen Eindrücken umzugehen. Und das wird er sein Leben lang gar nicht oder kaum aufholen können, bestimmte Ängste und Schwierigkeiten im Umgang mit neuen Dingen werden ihm bleiben. Natürlich ist das trainierbar, aber nur bis zu einer Grenze.
  • Ihr unterstützt das Leiden der Elterntiere! Und bezahlt Menschen dafür, dass sie Tiere quälen.

Daher gilt: selbst wenn ihr durch Zufall an einen solchen Welpenhändler geratet, oder vielleicht auf einem Markt Welpen zum Kauf angeboten werden: Kauft dort keine Hunde, auch nicht aus Mitleid. Damit unterstützt ihr nur die weitere „Produktion“ von Welpen, und für einen geretteten Welpen werden fünf neue produziert.

Statt dessen versucht diese Menschen anzuzeigen, macht ihnen das Leben unangenehm, sagt beim Veterinärsamt Bescheid. Auch wenn das nicht immer von Erfolg gekrönt ist, so macht es diesen Menschen das Leben schwer.

Wenn ihr einen Hund haben möchtet, sucht euch einen verantwortungsbewussten Züchter, oder noch besser: holt euch einen Hund aus dem Tierschutz. Ein guter Tierschutzverein wird euch beratend zur Seite stehen, und ihr tut noch etwas Gutes.

Natürlich berate ich ich auch gerne! Alle Infos über meine Hundeschule findet ihr hier: Hund-er-leben

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